Die CDU als Wahlhelfer für die AFD (ein wenig Satire)
07.09.2025 • Ludwig Conrads

Lehrstunde in Demut: Wie man das Volk regiert, ohne es ertragen zu müssen
Wer glaubt, Politik brauche Empathie, Fingerspitzengefühl oder gar
den Dialog auf Augenhöhe, hat den aktuellen Zeitgeist im politischen
Berlin verschlafen. Warum mühsam regieren, wenn man die Bürger auch
einfach beschimpfen kann?
Die Diagnose steht schließlich felsenfest: Das Volk ist schlicht zu
faul. Wenn die Wirtschaft lahmt, liegt das natürlich nicht an
strukturellen Versäumnissen, sondern am grassierenden Hang zur
Hängematte. Wer sich krankmeldet, feiert in Wahrheit durch; wer auf
Überstunden verzichtet, leidet an verwerflicher
„Life-Style-Bequemlichkeit“. Doch die Standpauke der Kanzler-Kanzel
greift zu kurz, solange nicht auch die Helfershelfer entlarvt werden:
Ärzte, diese skrupellosen Nutznießer des Systems, die doch tatsächlich
Diagnosen stellen, statt die Arbeitskraft direkt zurück ans Fließband zu
scheuchen.
Praktischerweise lässt sich das Problem ganzheitlich lösen. Reformen
treffen wie gewohnt zielsicher die kleinen und mittleren Einkommen – wer
ohnehin wenig hat, spart schließlich am motiviertesten. Um ganz
sicherzugehen, dass im Behandlungszimmer kein Schlendrian einreißt,
denkt man bereits laut über das Abhören von Arztgesprächen nach.
Vertrauensverhältnis war gestern; heute zählt die akustische
Effizienzkontrolle beim Abhören der Lunge.
Parallel dazu beweist das Wirtschaftsministerium unter Katharina
Reiche, wie moderne Transformation aussieht: Vorwärts in die
Vergangenheit. Klimaschutz wird charmant aufs Abstellgleis rangiert,
während der Gaslobby der rote Teppich ausgerollt wird. Man kennt sich,
man schätzt sich.
Damit der Bürger bei so viel Weitsicht nicht durch lästige Nachfragen
stört, gehört auch das Informationsfreiheitsgesetz dringend gestutzt. Wo
käme man denn hin, wenn peinliche Lobbykontakte von Reiche oder Philipp
Amthor noch öffentlich einsehbar wären? Oder gar die Details zu den
legendären Maskendeals? Transparenz stört schließlich nur das Vertrauen
– zumindest das der Politiker in ihre Immunität.
Als glänzender Schlusspunkt der politischen Realsatire folgt die
logische Personalie: Jens Spahn im Haushaltsausschuss. Wer Milliarden
mit Maskenbeschaffungen und Logistikabenteuern im Sand versenkt hat,
qualifiziert sich schließlich perfekt dafür, künftig über das gesamte
Staatsbudget zu wachen. Kompetenz verpflichtet.
Und während in den Vorstandsetagen der Koalition noch gerätselt wird,
warum der Wähler scharenweise nach rechts abwandert, liefert die
Realpolitik Tag für Tag die Antwort frei Haus. Wenn Arroganz zur
Staatsräson wird und die Zeche immer denselben aufgebürdet wird, braucht
man sich über den Zulauf der AfD nicht mehr zu wundern. Den besten
Wahlkampf für die Ränder macht diese Regierung derzeit ganz allein.